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Viele kleine Bausteine für Betroffene

Die Caritas Sozialstation Westallgäu hat vor gut 20 Jahren eine Fachstelle für pflegende Angehörige ins Leben gerufen. Sie hilft heute durchschnittlich 300 Menschen im Jahr. Es geht um Informationen, aber auch Entlastung.

Die Pflege eines nahen Menschen fordert Angehörige oft extrem. „Zeitlich, physisch und psychisch“, sagt Irmgard Wehle-Woll. Sie ist bei der Caritas-Sozialstation Westallgäu für das Thema zuständig – und das seit 20 Jahren. So lange hilft die Fachstelle für pflegende Angehörige betroffenen Menschen. 300 sind es durchschnittlich im Jahr. „Es sind oft kleine Bausteine, die für die Menschen aber unheimlich wichtig sind“, sagt Claudia Rudolph, Vorsitzende der Caritas Sozialstation.

Der 1. April 1997 ist in der Chronik der Sozialstation festgehalten. An dem Tag hat der Vorstand eine Teilzeitstelle zur Beratung älterer, kranker Menschen und deren Angehöriger im Westallgäu eingerichtet. „Wir wollten die Menschen informieren und begleiten, damit sie weiter in den eigenen vier Wänden leben können“, beschreibt Irmgard Wehle-Woll die damalige Motivation. In Sprechstunden und bei Hausbesuchen ging es vor allem um finanzielle, bürokratische und soziale Fragen. Dabei wurde schnell klar, dass die Betroffenen neben der klassischen Unterstützung bei der Pflege andere Hilfen benötigen.

Entsprechend hat die Sozialstation das Angebot stetig erweitert. Fester Bestandteil sind die Gruppen für pflegende Angehörige. Einmal im Monat kommen sie zusammen. „Die Angehörigen tauschen sich aus, bekommen Informationen und sie können auch mal an sich denken“, beschreibt Wehle-Woll den Sinn. Der Sozialstation ist es wichtig, solche möglichst niederschwelligen Angebote vorzuhalten, sagt Claudia Rudolph. Die Menschen sollen sie so unkompliziert wie möglich nutzen können. Das hört sich einfach an, ist aber für Betroffene und Angehörige oft schwierig. „Ich muss Entlastung zulassen. Das braucht Vertrauen“, erklärt Wehle-Woll den Grund.

Ein anderes Beispiel sind die Gruppen, in denen die Sozialstation Menschen mit Demenz und „eingeschränkter Alltagskompetenz“ betreut. Zwei davon gibt es mittlerweile. Das Café Lichtblick in Lindenberg und das Café Schulstube in Grünenbach. Eine dritte wird in Oberreute entstehen. Die Menschen kommen an einem Nachmittag in der Woche zusammen, singen, spielen, trinken Kaffee, werden je nach Fähigkeiten individuell gefördert. „Die Auszeit vom Alltag tut sowohl den Betroffenen als auch den Angehörigen gut. Viele kommen ansonsten nicht aus ihren vier Wänden“, sagt Wehle-Woll. Dieses Ziel verfolgen auch Dinge wie der Oasentag oder Dankeschön-Nachmittage für Angehörige.

Über die Jahre hat sich die Sozialstation zu einer Anlaufstelle für alle Fragen rund um die Versorgung von Menschen mit Demenz entwickelt. In einem Fachzentrum bündelt die Sozialstation ihre entsprechenden Angebote. Unter anderem vermittelt sie Hilfen und schult Angehörige im Umgang mit den Erkrankten. „Oft ist es ein Abschiednehmen auf Raten. Da ist es wichtig, jemanden als Anlaufstelle zu haben.“ (Wehle-Woll). Und auch hier bietet die Sozialstation Betroffenen zeitliche Entlastung. Ehrenamtlich tätige Helfer betreuen und begleiten stundenweise Menschen mit Demenz. 42 000 Stunden haben die Ehrenamtlichen mittlerweile geleistet.

Mit vielen Angeboten war die Sozialstation Westallgäu schneller als die Politik. Das hat Gründe. Ihre Mitarbeiter sind nah am Menschen und ihren Problemen. Und: „Als gemeinnützige Organisation müssen wir keine Gewinne machen. Wir können auch mal ein Pilotprojekt starten und schnell umsetzen“, erklärt Claudia Rudolph. Der Bedarf an Beratung und Hilfe wird im Übrigen nicht sinken, ist sie überzeugt. Die Menschen werden heute älter und damit die Gefahr größer, irgendwann auf Pflege angewiesen zu sein.

von Peter Mittermeier 
Bericht aus der Westallgäuer Zeitung vom 17.03.2018
Veröffentlichung mit freundlicher Gnehmigung der Allgäuer Zeitung

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